Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Schaffhausen

Erlass 729

Der Kirchenrat fördert und gewährleistet aufgrund des Erlasses 570 vom 20. Juni 1968
(Verordnung der Synode über die Ausbildung der Organisten)
mit geeigneten Kursen den Nachwuchs von qualifizierten Organistinnen und Organisten
für unsere Region und beschliesst zu diesem Zweck folgendes

Reglement
über Ausbildung und Prüfung von Organistinnen und Organisten

(vom 5. Januar 1999)

1. Der Kirchenrat

wählt die Kursleitung, die Lehrkräfte und die Prüfungsexperten.

2. Die Kurse

dauern vier Semester. Sie beginnen alle zwei Jahre unter der Voraussetzung, dass sich mindestens sechs Teilnehmende aus unserer Region anmelden. Die Ferien richten sich nach denjenigen der Schulen der Stadt Schaffhausen.

3. Die Ausschreibung

des Kurses erfolgt durch die Kursleitung im Kirchenboten, im Schulblatt, in den Zeitungen der Region, durch Mitteilung an die Kirchenstände, die Pfarrämter, die Kantonsschule, die Musikschule und den Organistenverband sowie an die im Kanton niedergelassenen staatlich diplomierten Orgellehrkräfte. Die Kursleitung nimmt die schriftlichen Anmeldungen entgegen und orientiert den Kirchenrat über die definitive Teilnehmerliste.

4. Für den Kursbesuch

werden Kenntnisse der elementaren Musiklehre und eine grundlegende technische Fertigkeit im Spiel eines Tasteninstrumentes vorausgesetzt. In Ausnahmefällen können diese Kenntnisse auch während des Kursbesuches erworben werden. Es ist möglich, nur einzelne Fächer des Kurses zu belegen.

5. Das Unterrichtsprogramm

wird von der Kursleitung erstellt. Es umfasst folgende theoretischen Fächer:

Liturgik und Hymnologie 2 Semesterstunden
Musiktheorie 2 Semesterstunden
Gehörbildung, Praxis des kirchlichen Singens 2 Semesterstunden
Orgelbau 1 Semesterstunde
Orgelliteraturkunde 1 Semesterstunde
Orgelunterricht, Einzelunterricht 4 Semesterstunden
Zusätzliche fächerübergreifende Blockkurse 2 bis 4 mal pro Kurs

Dazu gehört in der Regel der individuelle praktische Orgelunterricht. Er soll durch eine staatlich diplomierte Orgellehrkraft nach Wahl der Kursteilnehmenden in wöchentlichen Lektionen von 60 Minuten erteilt werden. Über Ausnahmen entscheidet die Kursleitung.





6. Anforderungen bei der Abschlussprüfung
Liturgik und Hymnologie:
  • Vorläufer und geschichtliche Entwicklung des Kirchengesangs, heutige Formen und Tendenzen
  • Elemente und Aufbau der Gottesdienste: Vorläufer, geschichtliche Entwicklung, heutige Formen und Tendenzen
Musiktheorie und Gehörbildung:
  • Grundkenntnisse der Kadenzharmonik, Modulation, erweiterte Funktionsharmonik (Analyse)
  • Aussetzen bezifferter Bässe
  • Kenntnis der elementaren Musiktheorie, Grundzüge der Singleitung, Blattsingen
Orgelbau:
  • Physikalisch-akustische Grundbegriffe, Grundlage des Orgelbaus, Kenntnis der Register und ihrer Verwendung
Orgelliteratur:
  • Kenntnis der namhaften Orgelkomponisten und Überblick über die wichtigsten Formen der Orgelmusik
Orgelpraxis:
  • - Vortrag des musikalischen Teils eines Gottesdienstes nach gegebenem Predigttext:
    • Eingangsspiel
    • erstes Lied mit Intonation
    • zweites Lied mit Intonation
    • orgelchoral als Zwischenspiel
    • Ausgangsspiel
  • Drei Gottesdienstordnungen, welche die Kursteilnehmerin / der Kursteilnehmer im letzten Halbjahr vor der Prüfung selbständig erarbeitet und ausgeführt hat
  • Verzeichnis der in den beiden Kursjahren erarbeiteten Orgelwerke
  • Vom Blatt-Spiel eines Chorals und eines einfachen Orgelstückes mit Pedal

Bei bestandener Abschlussprüfung erhalten die Kursabsolvierenden einen Bericht der Prüfungskommission über ihre Leistungen und einen vom Kirchenrat ausgestellten Ausweis.

7. Die Kurskosten

werden von der Kirche getragen. Die Kursteilnehmenden, auch solche, die nur einzelne Fächer belegen, entrichten einen Kursbeitrag, der vom Kirchenrat festgesetzt wird. Er ist in der Regel semesterweise zu bezahlen.

Der Orgelunterricht ist von den Kursteilnehmenden selber zu bezahlen.

Der Kirchenrat setzt eine Prüfungsgebühr fest.

8. Orgeldienst

Soweit Kursteilnehmende nach abgeschlossenem Kurs und bestandener Prüfung nicht einen regelmassigen Orgeldienst oder häufige Stellvertretungen übernehmen, wird erwartet, dass sie sich innert den ersten drei Jahren für insgesamt zwölf Orgeldienste zur Verfügung stellen.

9. Inkraftsetzung

Dieses Reglement tritt auf den 1. Mai 1999 in Kraft und ersetzt alle bisherigen Bestimmungen. Es gilt insbesonders für die ab Sommer 1999 beginnenden Kurse.

Schaffhausen, 5. Januar 1999
Im Namen des Kirchenrates:
Dr. Silvia Pfeiffer, Präsidentin Pfr. Matthias Gafner, Sekretär